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Kinderwelt
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    LATERNE-LATERNE  
3.1
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Begleit-Text zu den Noten von "Laterne, Laterne / Wenn de Olsch mit'm Licht"

Die folgende Erläuterung wurde auszugsweise dem Buch "Dass ihr euch ja nich' schietig macht!"
von Peter Unbehauen entnommen.
(Siehe: >Quellennachweis >)
Es ist zu beachten, das der Text dem Urheberrecht unterliegt und nicht unautorisiert zur gewerblichen Nutzung verwendet werden darf.

"Laterne Laterne" gibt es in zahlreichen Varianten. Bei Paul Wriede finden wir folgende:
Oolsch mit de Lücht,
kann't Bedd nich finn'n,
fallt mit de Lücht
int Kellerloch rin
Kellerloch is to deep,
fallt's mit de Näs' in't Füer
Füer das to hitt,
fallt's mit de Näs' in'n Kitt.
Kitt de is too hatt,
fallt's mit de Näs'in't Fatt.
Fatt dat fallt entwei,
de Hohn (sic), de leggt en Ei.
Kükerükü!

Losgelöst vom Laterne-Laufen taucht dieser Reim hochdeutsch als "Witz von Onkel Fritz" 1988 bei Kindern in Hamburg-Altona auf:
Ich kenn 'nen Witz von Onkel Fritz,
den darf ich nicht verraten, sonst kommen die Soldaten und schießen mit Tomaten.
Tomaten sind zu rot, dann schießen sie mit Brot.
Brot ist zu teuer, dann schießen sie mit Feuer,
Feuer ist zu heiß, dann schießen sie mit Eis,
Eis ist zu kalt, dann geh'n sie durch den Wald
Wald ist zu duster, dann geh'n sie zum Schuster,
Schuster ist zu faul, dann haun sie ihm aufs Maul.

Andere Laterne-Verse spiegeln die politischen Verhältnisse im 19.Jahrhundert:
"Hamburg , Lübeck und Bremen, die brauchen sich nicht zu schämen,
denn sie sind eine freie Stadt, wo Bismarck nichts zu sagen hat. Laterne, Laterne ...

Mit ihrem Wirtschaftsliberalismus englischer Ausprägung stand die Stadt Hamburg, die sich ab 1815 Freie und Hansestadt nennen durfte, im Gegensatz zum 1834 gegründeten deutschen Zollverein, der handelspolitischen Vereinigung deutscher Bundesstaaten zur Herstellung einer Wirtschaftseinheit in Deutschland. Die wirtschaftlich schwachen Mitgliedstaaten, die auf Schutzzölle nicht verzichten wollten, beschwerten sich über den Separatismus von Hamburg, Lübeck und Bremen. Diese Städte wollten den Freihandel, d.h. den nicht von Zöllen behinderten Handel. So dichtete man in Hamburg: "Sie sollen uns nicht haben, mit ihrem Zollverein, ob sie wie gierige Raben sich heiser danach schrein".
Nach der Reichsgründung 1871 nahm das Problem der Zolleinheit an Schärfe zu. Reichskanzler Bismark drängte auf Zolleinheit. 1888 trat Hamburg dem Zollverein bei, nachdem man einen Kompromiss gefunden hatte, der einen Teil des Hafens zum Zollausland, zum Freihafen machte.

Text entnommen: "Dass ihr euch nicht schietig macht!"
© Dölling und Galitz Verlag / Hamburg-München + Peter Unbehauen / Hamburg, 1999