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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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Text-Vorlage: "Rummel, rummel, rögen . . ." von Ilse Schütz
 
 

Nach Mascher bedeutet, ,,rum'l', ,,rumeln", ,,rummele", "Gepolter", "dumpfes Geräusch", "dumpfes, rollendes Getöse" und nimmt Bezug auf die mit dem Rummelpott hervorgebrachten Geräusche. "Hukelpott" oder "Hukepott" gelten für Ostfriesland, "Huttefutte" im Emsland, "Fukepott" oder "Fustepott" in der Grafschaft Bentheim.
Zwischen der Weser- und der Elbmündung, in der Elbmarseh, im Alten Land, in Hamburg und in Schleswig-Holstein ist es der "Rummelputt". In Westfalen und im westlichen Teil von Niedersachsen heißt er "Fukkepott" oder auch "Fukepott" bzw. "Funkepott" (123).
Sachs nennt die plattdeutschen Wörter "hukelpott", "brommtopp", bergisch "fubbdöpp", westfälisch "hüldopp", ostfriesisch "rumrnelpot", ostjütländisch, ,guffepotte", "buddipotte", "wokkepott" (124). Im Handwörterbuch des deutschen Aberglaubens heißt es: "Rummeltopf.
An vielen Orten, namentlich in West- und Norddeutschland bis nach Jütland, ziehen um die Weihnachts- und Fastenzeit in Ostfriesland auch noch in der Karwoche - Knaben mit einem Rummeltopf herum. [...] Der Brauch gehört zu den mannigfachen Mitteln, böse Geister auszutreiben" (125). Allein die vielen uns überlieferten Verse, in denen der Rummelpott vorkommt, bezeugen seine Popularität im Brauchtum früherer Zeiten (126).
Auch heute noch gehen die Kinder in einigen Orten in Norddeutschland und in Hamburg zu Silvester oder Fastnacht "Rummelpottlaufen", allerdings ohne Rummelpott und ohne jemals einen Rummelpott gesehen zu haben. Die Beibehaltung des Wortes hat immerhin dazu geführt, da8 dieses etwas seltsame Rhythmusinstrument wenigstens dem Namen nach in Erinnerung geblieben, ja sogar im Internet zu finden ist und zu Weihnachten 2002 eine ganze Seite einer Tageszeitung ausgefüllt hat (127).

In Spanien gehört der Rummelpott bis heute in einigen Gegenden zum weihnachtlichen Singen in der Kirche und im Familien- und Freundeskreis. Auch Folkloregruppen verzichten nicht auf seinen begleitenden Rhythmus. Die Herstellung wird deshalb von Jahr zu Jahr authentisch weitergegeben. Wie populär der Rummelpott immer noch ist, zeigt ein Werbeplakat für Scotch Whiskies J&B aus dem Jahr 1995 (Abb. 27).
Der keramische Teil dieses Membranophons ist ein Gefäß, ein Rohr oder ein Kegelstumpf, über dessen Öffnung eine Membran gespannt wird. Es kann speziell für diesen Gebrauch hergestellt sein. Meistens wird einfach das genommen, was man zur Hand hat.
Damit die Membran befestigt werden kann, muß ein Rand vorhanden sein.
Als Stab dient ein Bambus- oder Schilfrohr (Abb. 58). Der Töpfer Serafin Garcia Morales aus Hinojosa del Duque (Cordoba, Spanien) erzählte mir, daß sie früher Strohhalme einer ganz bestimmten Weizensorte genommen hätten. Inzwischen werde diese Weizenart jedoch nicht mehr angebaut und stehe somit auch nicht mehr für den Rummelpott zur Verfügung.
Als Membran dienen Schweinsblasen oder Kaninchenfelle, für größere Trommeln oder Rummelpötte Rinderblasen oder Ziegen- und Schafsfelle.

 
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