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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.15
Text-Vorlage: "Rummel, rummel, rögen . . ." von Ilse Schütz
 
 

Nun kann die Membran über den Resonanzkörper gespannt werden, und zwar über die Öffnung mit dem größeren Durchmesser (129). Zuerst bindet Antonio in die Mitte des Fells ein kurzes Rohrstück. In dieses wird später ein längeres Rohr zum Reiben hineingesteckt. Dadurch besteht eine geringere Gefahr dafür, daß das Fell beim Reiben durchstoßen wird. Die Membran wird gespannt und mit einer dünnen Schnur festgebunden. Nach dem Trocknen haftet sie fest am Resonanzkörper, und die Schnur kann abgenommen werden.

Norddeutschland
Daß der Rummelpott in verschiedenen Gegenden Norddeutschlands bekannt war, steht außer Frage. Allein die Heischeverse in plattdeutschen Dialekten legen Zeugnis davon ab (154).
Noch 1973 schreibt Jaacks über Bräuche in Schleswig-Holstein: "Hier und da wird man in der Adventszeit und vor allem in den Tagen um Silvester in Stadt und Land dem "Rummelpott" begegnen. [...] in Gruppen ziehen die Kinder mit diesen "Musikinstrumenten" von Haus zu Haus und erbitten in Liedform eine Gabe [...] Verkleidungen sind üblich - die Kostümierung als Könige und das Mitführen eines Sternes weist in die Nähe der Sternsingerumzüge -, aber nicht unbedingt nötig" (155).
Von dem Maler Willem Grimm (1904-1986) gibt es eine ganze Serie von Rummelpottbildern, das erste davon 1931 (156).
Auch im Internet unter www.rummelpott.de finden sich mehrere Beiträge mit persönlichen Erinnerungen zum "Rummelpottlaufen" in Schleswig-Holstein, Mecklenburg, Ost- und Westpreußen. Teils war es Brauch zu Fastnacht, teils zum St. Martinstag am 11. November oder am Silvesterabend.
Das Hamburger Abendblatt vom 14. August 2002 schreibt dazu: "Weit verbreitet war früher die Kindersitte zu Silvester, "Rummelpott zu laufen". Die Kleinen verkleideten sich, zogen in Gruppen von Tür zu Tür und baten um kleine Geschenke [...]".

Noch in den 1950er Jahren verkleideten sich die Kinder in Blankenese (Hamburg) am Silvesterabend und gingen von Haus zu Haus. Dabei sangen sie, allerdings ohne Rummelpötte, ihr "Rummelpottlied":
Rummel, rummel rusch, dat Nejahr sitt in Busch,
giff mi'n lütten Äppelkoken oder 'ne lütte Wuscht.
Is de Wuscht to kleen, giff mi glieks noch een.
Lot mi nich to lang'n stahn, ik mut noch een Hus widergahn,
Een Hus wider wohnt de Snider,
een Hus achter wohnt de Slachter,
een Hus achteran wohnt de Wihnachtsmann".
Und wenn jemand nicht aufmachte, verabschiedete man sich auf folgende Weise: "Witten Tweern, swatten Tweern, disse Olsch, de gifft nich geern" (158).

 

 
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