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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.16
Text-Vorlage: "Rummel, rummel, rögen . . ." von Ilse Schütz
 
 

Bemerkenswert ist, wie sich das Wort "Rummelpott" in "Rummelpottversen" und, Rummelpottlaufen" erhalten hat, obwohl der Rummelpott selbst als Lärm- und Rhythmusinstrument hier inzwischen so gut wie unbekannt ist. Auch bei Grimm ist der Rummelpott nicht auf allen Bildern vertreten (156). Charakteristisch für diese Bilder sind Gruppen von Personen, die maskiert auftreten. Dazu heißt es: "Schon früh nahm Grimm in seine künstlerische Fassung des Motivs eine für Hamburg und Schleswig Holstein typische regionale Variante der Kinder-Maskerade auf" (159).
Gehen wir weiter zurück in der Kulturgeschichte, so zeigt gerade das Beispiel des Rummelpotts, daß es sich ursprünglich nicht um einen Zeitvertreib für Kinder handelt. Vielmehr waren es Erwachsene, die ihn betätigten.
Kinder nahmen, wenn sie dabei waren, an diesen kultischen und sozialen Ereignissen in gleicher Weise, nicht im Rahmen eines Kinderspiels, teil, zumal die Trennung zwischen Kindern und Erwachsenen nach unserem heutigen Verständnis in früheren Zeiten so nicht bekannt war.

Erst im 18./19. Jahrhundert wird das Spiel Teil eines Erziehungskonzepts (160). Das bestätigen sowohl bildliche Darstellungen als auch Heischeverse. So wird auf einem Gemälde von Pieter Bruegel 1559 (Abb. 29) oder einem Stich von Jan van der Veen aus dem Jahr 1642 der Rummelpott jeweils von einem Erwachsenen gespielt.
In einem Heischevers heißt es:
"Dann haal ick Jakub Jansen; Un dei sall up de Rummelspott spölen".
Und auch ein anderes Beispiel stammt sicherlich nicht aus Kindermund:
"Up de Hilgen, dar is dat Nest, bi de lütten Deerns, dar is dat best" (161).
Der Rummelpott begleitete die Bettelumzüge, die nicht selten eine Belohnung für erbrachte Leistungen darstellten (162). Und auch die bösen Geister wurden nicht vom Lärmen der Kinder vertrieben.
In Spanien, und insbesondere in Andalusien, wo der Rummelpott noch heute bekannt ist, begleitet sein Rhythmus, vor allem in der Weihnachtszeit, die Lieder bei Zusammenkünften von Freunden und Nachbarn. Es läßt sich vermuten, daß in ähnlicher Weise wie für den Rummelpott, keramische Gegenstände aus dem Alltag zum Trommeln und Lärmen "ausgeliehen" wurden. Archäologisch ist das nicht nachzuweisen. Auch als Sammlerobjekte waren diese einfachen Dinge nicht attraktiv, zumal sie sofort nach dem mit Schallerzeugung verbundenen Ereignis wieder für ihre Primärnutzung zur Verfügung standen.
Auch wenn diese Klangobjekte aus Ton i.a. sehr einfacher Natur sind, wie z.B. Keramikfragmente als Kastagnetten, Koch- und Vorratstöpfe als Trommeln und Rummelpötte, einfache Walzenpfeifen etc., so sind sie in ihrem Ursprung nicht als Kinderspielzeug anzusehen. Allmählich und im Rahmen der Aufklärung verschwinden die Lärmbräuche. Einige setzen sich in einer Art Kinderspiel fort, und so kommt es, daß auch die Klangobjekte aus Ton, soweit sie noch bekannt sind, als Kinderspielzeug angesehen werden (30).
Ihr ursprünglich magisch-kultischer Beitrag ist vielfach in Vergessenheit geraten.

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