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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.22
Text-Vorlage: "Krieg ik dree, so wünsch ik Glück. . ." von Helga Ramge
 
 

Rummel, rummel, röschen!
Gif mi wat in't Pöschen,
Lat mi hier nich länger staen,
Ick schall van Dag noch wieder gaen!

Kurz danach nahm Johannes Matthias Firmenich ein sehr ähnliches niederdeutsches Lied 1854 in "Gerrnaniens Völkerstimmen" auf; letzteres ist ein bedeutendes Standardwerk über "deutsche Mundarten in Dichtungen, Sagen, Märchen, Volksliedern". Das Rummelpottlied hier unterscheidet sich nur geringfügig von Müllenhoffs Fassung. Seitdem sind zahlreiche Beispiele gesammelt und veröffentlicht worden, häufig in der Zeitschrift "Die Heimat".
Ganz sicher ist das Lärmen verwandt mit der weltweiten, heidnischen Vorstellung, daß dieser Krach und dieses Gepolter böse Geister vertreiben könnte.
Man nahm allerlei selbstgebaute "Musikinstrumente", Raketen, aber auch zersprungenes Geschirr, um ihn zu erzeugen. Noch 1934 erwähnt Carl Häberlin in einem Aufsatz in "Die Heimat" über "Nordfriesische Weihnachten", daß zum Glück das uns von Polterabenden bekannte Töpfezerschlagen nicht mehr zum Rummelpottlaufen gehöre. Verhältnismäßig neu etwa hundert Jahre alt - scheint es zu sein, daß Rummelpottliedcr nur noch Silvester gesungen werden. Es ist in früheren Quellen auch vom Martinstag, der Weihnachtszeit allgemein, von Neujahr, dem Dreikönigstag oder der Fastnacht die Rede.

Kein Zweifel besteht daran, daß neben dem Geistervertreiben das Betteln ursprünglich der Anreiz für Erwachsene und Kinder der ärmeren Bevölkerung war, mit dem Rummelpott umherzuziehen. Sie erbaten sich bei ihrer wohlhabenden Herrschaft oder Nachbarschaft Lebensmittel, später auch Geld. In den Polizeiakten des Amtes Bienebek heißt es, 1790 seien neun Halbwüchsige aus Rendsburg des Amtes verwiesen worden, weil sie mit Stern und Rummelpott bettelten.
In ihrem Kindheitsbericht "Auf Marienhoff" erzählt Helene Voigt-Diederichs von Silvester. Die Kinder des eigenen Dorfes werden hier als arme, zerlumpte und frierende Rummelpottkinder beschrieben, denen die Mutter der Berichterstatterin "mit köstlich milden Händen" Almosen gab. Auf den Gedanken, daß die "köstlich milden Hände" rechtzeitiger an den Lebensbedingungen ihrer Kätner etwas hätten ändern können, kam man Ende des vorigen Jahrhunderts wohl nicht.

Inzwischen singen Kinder aller Bevölkerungsschichten die alten Lieder, aus Spaß an der Verkleidung und natürlich auch aus Freude über die Gaben. Die Verkleidung sollte ursprünglich Jesus, Knecht Ruprecht oder Engel darstellen, wobei ein Vorsänger die anderen anführte. Später wurden diese Rollen ersetzt durch Masken und weiße Hemden, noch später war man "en Franzos" oder "en Schandarm", wie in diesem Altjahrsabendspruch aus Schwansen ("Die Heimat" 1924):

 
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