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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.23
Text-Vorlage: "Krieg ik dree, so wünsch ik Glück. . ." von Helga Ramge
 
 

Gu'n Ahend! Is hier nich Oldjahrsabend?
de Voß de bruht, dat Wedder ward got,
Min Modcr sä, ick schull man gahn,
ick weer doch ni rech kloog.
Ick gung as en Franzos, as en Schandarm,
mit een Korf in de Arm,
keem as een ol Mann
un beddel een Stück Kook.
Mak to, mak to, min Lüd,
ick schall hüt abend noch wied.

In den 1930er Jahren hatte sich die freigewählte, phantasievolle Verkleidung längst eingebürgert, wie ein Angeliter aus Mohrkirch sich erinnert, indem er von zwei Jungen seines Dorfes erzählt:
"Beid' staffeerten sik mit ole Klamotten ut, kregen en Mask för't Gesicht un en olen Hoot up, so dat nüms se kennen kunn."
Was die Rummelpottläufer erhielten, war von Zeit zu Zeit und von Region zu Region verschieden. I
n den Liedern selber wird im 19. ]ahrhundert neben den üblichen Appelkooken, Förtchen oder Futtjes auch Mehl, Wurst, Fleisch, Speck, Weiß- oder Rosinenbrot in den Rummelkorb erbeten. In Kappeln sammelten die ärmeren Kinder um die Jahrhundertmitte Lichter in ein großes Tuch, wie Hermann Petersen-Möhlhorst sich in "Die goldene Kindheit" entsinnt (Hamburg 1908). Neben die Bitte um Naturalien tritt in den Liedern zunehmend auch die direkte Frage nach Geld:
... giff mi watt in'n Rummelputt!
Een, twee, dree und veer,
wenn't man koppern Soßling weer.

Die Machart des Rummelpotts scheint sich weder über die Zeiten noch regional sehr geändert zu haben. Heißt er auch in Ostfriesland "Fuckepott", in Jütland "rumelpot", in Kappeln in dänischer Zeit "Fruketopf' und im südlichen Niedersachsen "Brummtopf', immer wird er hergestellt, wie es schon 1905 aus Schinkel beschrieben wurde:
"Dann versah sich jeder mit einem kleinen Topf, über welchen eine Blase straff gespannt war. In der Mitte der Blase wurde ein Stück Ret (Schilf) befestigt. An letzterem wurde mit den befeuchteten Fingern auf- und abgerieben, wodurch ein eigentümliches Geräusch hervorgerufen wurde, das eigentliche Rummeln." ("Die Heimat" 1905).
So gingen Kinder und Erwachsene verkleidet und mit dem Topf rummelnd von Haus zu Haus. Gelegentlich wurde das laute "Wupa, Wupa" des "Instruments" noch verstärkt durch selbstgefertigte einsaitige Teufelsgeigen, Flöten oder andere Instrumente, wie den "Waldteufel", eine Papiertrommel mit Pferdehaaren.

 
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