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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.41
 
Text-Vorlage: "Schleswig-Holst. Wörterbuch." von Otto Mensing
 

Die folgenden Ausführungen zitieren die Erläuterung zum Rummelpott im vierten Band (Q bis S)
des Schleswig-Holsteinischen Wörterbuches, herausgegeben von Otto Mensing,
1933 verlegt bei Karl Wachholtz in Neumünster.
Abweichend von der Original-Textvorlage wurde ein Teil der gekürzt angegebenen Begriffe und Ortsangaben vollständig ausgeschrieben. Außerdem mußten die griechischen Zeichen wegen des verwendeten HTML-Codes in eine html-taugliche Ordnungs-Form (z.B. >1-a, ersatzweise für das Alpha-Symbol) umgewandelt werden.
Das Schleswig-Holsteinische Wörterbuch ist den Bibliotheken einzusehen, z.B. in der Niederdeutschen Bibliothek in Hamburg oder
im Nordfriisk Instituut in Bredstedt, Nordfriesland.
Inzwischen liegt auch wieder eine Neuauflage des Werkes vor
(Siehe: >Quellennachweis >)
Otto Mensing gibt einen guten Einblick in die Vielfalt der Rummelpott-Verse und der erstaunlichen Unterschiede,
welche trotz enger regionaler Nähe bestehen können.

Rummel-pott (ru:mlpod), – p u t t , seltener R o m m e l-, ganz vereinz. Frukepott (Angeln; siehe Fru II, 238 u.), in einigen Reimen auch einfach "Rummel" u. "Rummler" m. "Rummeltopf", verhochdeutscht auch "Rumpel-, Rumpe-topf" (s. Jb, f. Ldk. 4, 271. 5, 187).
Der Rummelpott ist ein Gefäß (irdener Topf oder Blechdose), über das ein Stück Schweinsblase gebunden wird. Bevor die Blasenmembran über das Gefäß gespannt wird, hüllt man mit ihrer mittleren Fläche das eine Ende eines Stückes Rohrhalm (s. Dackstöl I, 651, Reetpoos) ein und umwickelt sie mit Band. Beim fertigen Rummelpott ragt das freie Ende des Rohrhalms senkrecht aus der Membran hervor. Wenn man nun die Innenfläche der Hand mit Speichel befeuchtet und den Rohrhalm (Rummel-stöl Flensburg) in der Hand auf- und abgleiten läßt, so wird ein brummender Ton (rup-rup oder wuper- wuper oder ähnl.) erzeugt.
Dies Geräusch (dat Rummeln) wird in Eiderstedt auch dadurch hervorgebracht, daß die Kinder "auf den Reetstengel pusten". Seltener wird der Rohrhalm oder ein fingerdicker Stock durch den Mittelpunkt der Membran hindurch gesteckt, sodaß er halb in das Gefäß hineinragt, und mit angefeuchteten Fingern auf- und abgerieben. Vereinzelt wird der Rummelpott beschrieben als "Schweinsblase mit Steinen gefüllt und Stöpsel" Laboe (Probstei /Oh) abst.
In der Vorweihnachtszeit (Advent), am Weihnachtsabend (s. Wiehnachten), am Neujahrsabend (s. Niejahrsabend III, 795), – früher auch in der Fastnachtszeit (s. Fastelabend 7, II, 32) und am Heiligedreikönigstage (s, Dreekönig I, 846) – ziehen Kinder, meist in abenteuerlicher Vermummung, mit dem Rummelpott von Haus zu Haus. Der Führer (oft als Weihnachtsmann verkleidet) läßt den Rummelpott "rummeln" und singt nebst seinen Begleitern (von denen einer zuweilen den Ruppert – s. d. – vorstellt) zu dem eintönigen Geräusch ein Weihnachtslied oder das Lied von den 3 Weisen ("Es kamen 3 Weisen aus dem Morgenland" usw. in der Adventszeit) oder meist ein plattdeutsches, seltener ein hochdeutsches. "Rummelpott- Lied";
Beispiel eines hochdeutschen Liedes: "ich bin der kleine König, ach gib mir nicht so wenig, ach gib mir nicht so viel mit 'n Besenstiel" Neumünster; plattdeutsche Rummelpott-Lieder siehe unten.
Diese Sitte heißt Rummelpott-lopen oder Rummeln oder Rüm-(üm-)singen mit 'n Rummelpott. Die Kinder (meist Arbeiter- und Tagelöhnerkinder) werden Rummelpott-löper oder (hochdeutsch) "Schnurr- und Bittgänger" (Gegend von Kiel) genannt. Früher "rummelten" sie meist hinter den Stubenfenstern der Häuser, jetzt kommen sie an die Haustür oder in die Wohnung selbst.

 
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