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_Kinderwelt
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  RUMMELPOTT   BRAUCHTUM
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4.62
Text-Vorlage: "Dass ihr euch ja nicht. . ." von Peter Unbehauen
 
 

Hommer, Hommer, hüh (Siehe: >Notensatz>)
In den Vier- und Marschlanden (Obst- und Gemüseanbau-Gebiete an der Elbe bei Hamburg) heißt der Brauch des Heischens "Hommer-Hüh-Laufen" und findet zur Faschingszeit statt, z.B. in Kirchwerder am Dienstag, in Fünfhausen am Aschermittwoch und in Ochsenwerder am Donnerstag. Die Kinder ziehen verkleidet und geschminkt von Haus zu Haus, klopfen mit einem Holzlöffel an die Haustür und singen ihr Hommer-Hüh-Lied.
Der Name des Liedes leitet sich ab vom Holzhammer, mit dem die Kinder früher an die Türen klopften. Hans Förster (1885-1966) Maler, Zeichner und Autor von "die malerischen Vierlande", schreibt dazu:
Na de gansen Lütten, dei harm son ol lütten holten Haamer un kloppen doamit allerwegen an, doabi süngen sei:
Haamer, Haamer, heda, Haamer, Haamer, Fasselawend,
geiw dei lütten Kinner wat, dei denn lütten Haamer hat.
Geiw mi ok wat und lat uns nich so lange stahn, wa mööt noch een Huus widergahn.

 

Fru, mok de Dör opp (Siehe: >Notensatz>)
"Fru, mok de Dör op" gehört zu den Heischliedern, mit denen die Kinder an bestimmten Festtagen um Lebensmittel, Geld und Süßigkeiten bettelten. wir haben es noch 1988 in Uhlenhorst gehört. Zum Thema Rummelpott in Bergedorf findet sich im Archiv Ludwig Uphoff - heimatgeschichtliche Sammlung für Bergedorf seit 1915, heute geführt vom Enkel des Begründers, Gerd Hoffmann - eine Schilderung, die der Maler Fritz Stoffert (1817-1910) in seine Jugenderinnerungen von 1895 gegeben hat:
"... verlief auch das leben im kleinen Bergedorf im allgemeinen einfach und gleichmäßig, so traten doch Zeiten ein, wo altherkömmliche Feste eine erhöhte Bewegung in solche Ruhe brachten. So zumal die Fastnacht. vom Morgen bis zur Dämmerung hallte die Stadt vom Getöse des Rummeltopfes, dem Pochen der kleinen Holzhämmer und dem Gesange der umherziehenden Kinder wider. Einem langjährigen Herkommen gemäß kamen am Tage der Fastnacht aus der ganzen Umgebung, zumal aus den Vierlanden, Almosen bittende Kinder in die Stadt gezogen. Teils mit einem musikalischen Gerät, denn Instrument durfte man es nicht nennen, dem Rummeltopf, teils mit einem kleinen Hammer versehen, um unter Gesängen, oft recht altertümlichen Charakters mit stark holländischen Anklängen, ihren Fastnachtsgruß darzubringen und dafür eine kleine Gabe in Empfang zu nehmen. Jedes Kind trug einen leinernen Brotsack, in den es die eigens zu diesem Zweck gebackenen Brötchen, sowie andere ihm verabreichte Lebensmittel tat. Diese Brotbeutel schwollen zuweilen so an, daß die Kleinen die Last kaum zu tragen imstande waren ... "

Texte entnommen: "Dass ihr euch nicht schietig macht!" © Dölling und Galitz Verlag/Hamburg-München
+ Peter Unbehauen/Hamburg, 1999

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